Positiv zu berücksichtigen sind zum Beispiel ein Geständnis des Angeklagten, Einsicht, Reue, Schadenswiedergutmachung oder eine (ernsthafte) Entschuldigung beim Verletzten.

Negativ fallen einschlägige Vorverurteilungen ins Gewicht, das Ausmaß eines Schadens, der angerichtet wurde oder die Schwere von Verletzungen beim Opfer.

Berücksichtigen kann das Gericht auch erzieherische Maßnahmen, die seitens der Erziehungsberechtigten bereits getroffen wurden - insofern ist es empfehlenswert, wenn der Erziehungsberechtigte sein Anwesenheitsrecht auch wahrnimmt und in der Verhandlung entsprechend Auskunft geben kann.

Entscheidend ist dann die Beurteilung des Jugendrichters, welche Maßnahmen aus seiner Sicht erforderlich sind, um auf den Jugendlichen erzieherisch einzuwirken.

Verurteilen kann er den Jugendlichen dann zu „Erziehungsmaßregeln“, „Zuchtmitteln“ und Jugendstrafe.

Eine Besonderheit ist im Zusammenhang mit der Jugendstrafe, die bei sogenannten schädlichen Neigungen verhängt werden muss, die Vorschrift des § 27 JGG (Jugendgerichtsgesetz):

Schädliche Neigungen sind nach der Rechtsprechung erhebliche Anlage- oder Erziehungsmängel, die ohne längere Gesamterziehung des Täters die Gefahr weiterer Straftaten begründen. Sie können in der Regel nur bejaht werden, wenn erhebliche Persönlichkeitsmängel schon vor der Tat, wenn auch verborgen, angelegt waren und noch zum Urteilszeitpunkt bestehen.

Ist aufgrund der Hauptverhandlung nicht mit Sicherheit festzustellen, ob bei dem Jugendlichen „schädliche Neigungen“ vorliegen, kann der Jugendrichter zunächst die Schuld feststellen (also welches konkrete Strafgesetz vom Jugendlichen verletzt wurde).

Die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe wird dann aber für eine bestimmte Bewährungszeit ausgesetzt.

Der Jugendliche wird im Fall des Schuldspruchs gemäß § 27 JGG für die angeordnete Bewährungszeit der Aufsicht und Leitung eines Bewährungshelfers unterstellt.

Dieser soll ihn in einer Weise erzieherisch positiv beeinflussen, dass Jugendstrafe überflüssig wird.

Stellt sich vor allem durch schlechte Führung des Jugendlichen während der Bewährungszeit heraus, dass die Tat (wegen derer er verurteilt wurde) auf schädliche Neigungen zurückzuführen ist, die eine Jugendstrafe erfordern, so kann der Jugendrichter dann eine konkrete Jugendstrafe (auch zur Bewährung) aussprechen.

Der Schuldspruch gemäß § 27 JGG erscheint übrigens gemäß § 32 Abs. 2 Nr. 2 BZRG (Bundeszentralregistergesetz) nicht im sogenannten polizeilichen Führungszeugnis.

Wenn nach Ablauf der Bewährungszeit der Jugendrichter keine schädlichen Neigungen beim Jugendlichen feststellt, wird der Schuldspruch im Erziehungsregister getilgt.

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